Nach dem Beginn des Krieges mit dem Iran und der Sperrung der Straße von Hormus steigen die Energiepreise in Europa erneut massiv an. Die Preise für Öl, Benzin und Diesel schießen nach oben, auch die Gaspreise haben sich innerhalb weniger Tage fast verdoppelt.
Durch die Straße von Hormus läuft rund ein Fünftel des weltweiten Ölhandels. Auch Flüssiggaslieferungen aus der Golfregion werden über diese Route transportiert. Schon die Sorge vor längeren Unterbrechungen treibt deshalb weltweit die Preise an. Die Folgen reichen weit über den Energiesektor hinaus und erhöhen erneut den Inflationsdruck.
„Die Lage ist ernst“, sagt Jens. „Es besteht die reale Gefahr, dass sich bald grundlegende Güter wie Heizung, Sprit, Brot und Konsumgüter deutlich verteuern. Das kann den Alltag für berufstätige Familien noch weiter erschweren. Die EU muss schnellstmöglich eingreifen und steuern, bevor sie der Entwicklung nur noch hinterlaufen kann.“
Preistreiberei an den Zapfsäulen ist nicht zu rechtfertigen
Besonders scharf kritisiert Jens die Preisentwicklung an vielen Tankstellen. Denn die aktuellen Spritpreise lassen sich nur zum Teil mit den Entwicklungen an den internationalen Märkten erklären. „Das Benzin, das heute an den Tankstellen verkauft wird, wurde vor Monaten bestellt, gefördert und bereits vor Wochen in den Raffinerien verarbeitet. Der Krieg im Iran und die jüngsten Preissprünge an den Energiebörsen spielten dabei noch keine Rolle. Das ist keine normale Preisentwicklung – das ist Abzocke“, sagt er.
Genau deshalb rückt erneut die Frage nach Übergewinnen großer Energiekonzerne in den Mittelpunkt. Bereits während der Energiekrise 2022 hatte die EU zeitweise Instrumente geschaffen, um außergewöhnliche Krisengewinne abzuschöpfen. Anders als damals will die Europäische Kommission diesmal jedoch keine verpflichtende europaweite Regelung vorschlagen. Stattdessen sollen die Mitgliedstaaten selbst entscheiden, ob und welche zeitlich befristeten nationalen Maßnahmen sie einführen.
Einige Mitgliedstaaten verfügen inzwischen über besser gefüllte Speicher, andere haben ihre Energieversorgung stärker diversifiziert oder die Abhängigkeit von fossilen Importen reduziert. Auch die Belastungen für Haushalte und Unternehmen unterscheiden sich erheblich. Für Jens ist der Ansatz der Kommission deshalb die richtige Lösung. Entscheidend sei jetzt vor allem, dass mögliche Instrumente schnell einsatzfähig sind. „Krisengewinne dürfen nicht einfach bei großen Konzernen hängen bleiben, während viele Menschen Probleme haben, ihre täglichen Kosten zu bezahlen. Dieses Geld muss genutzt werden, um Verbraucher:innen gezielt zu entlasten.
Dabei hat sich die Erstattung über das Bundeszentralamt für Steuern bewährt. Übergewinne müssen schnell und unbürokratisch abgeschöpft werden. Vor allem für energieintensive Industrien müssen Beihilfen schnell abrufbar sein und nicht erst langen und komplizierten Genehmigungsverfahren unterliegen“, stellt er die Dringlichkeit klar.
EU setzt auf schnelle Krisenmaßnahmen
Das neue Maßnahmenpaket geht deshalb über die Frage von Übergewinnsteuern hinaus. Vorgesehen sind unter anderem Schritte zur besseren Befüllung europäischer Gasspeicher, zur Stabilisierung der Versorgung mit Erdöl, Gas und Kerosin sowie Hilfen für besonders betroffene Branchen und energieintensive Industrien. Hinzu kommen Vorschläge zur Absicherung kritischer Rohstoffe, ein temporärer Beihilferahmen für Mitgliedstaaten und Leitlinien zum Energiesparen.
„Es ist wichtig, dass wir schnell und effektiv handeln, damit sich die Energiekrise von 2022 nicht wiederholt“, sagt Jens. „Im Kern geht es darum, die akuten Folgen der Preisexplosion abzufedern und gleichzeitig Europas Energieversorgung krisenfester zu machen. Das funktioniert nur gemeinsam auf europäischer Ebene.“
Europas Abhängigkeit bleibt das eigentlichen Problem
Die aktuelle Krise legt erneut offen, wie eng Energiepreise, Versorgungssicherheit und geopolitische Abhängigkeiten zusammenhängen. Nach wie vor muss die EU 57 Prozent ihrer Energie importieren. Konflikte wie jetzt im Nahen Osten wirken sich deshalb fast unmittelbar aus. Für Jens liegt hier die eigentliche strategische Herausforderung.
„Der beste Schutz vor Krisen sind günstige, erneuerbare Energien aus Europa selbst“, sagt Jens. „Deshalb müssen wir den Ausbau von Wind- und Solarenergie weiter beschleunigen, stärker in Geothermie investieren und unsere Wärmeversorgung klimafreundlicher machen. Gleichzeitig brauchen wir deutlich mehr Tempo beim Ausbau und der Vernetzung unserer Energieinfrastruktur.“
Stromnetze müssen zukünftig besser mit Wärme-, Gas- und Wasserstoffnetzen, Speicherlösungen und dem Verkehrssektor verbunden werden, damit erneuerbare Energie effizienter genutzt werden kann. Die EU hat dafür bereits wichtige Gesetze beschlossen – jetzt braucht es verbindliche Ziele und deutlich mehr Investitionen.
Energiepolitik europäisch denken
Langfristig muss Energiepolitik in der EU anders organisiert werden: Die europäischen Energiemärkte sind wirtschaftlich eng miteinander verflochten. Preisentwicklungen, Gasflüsse oder Stromengpässe wirken sich heute oft unmittelbar auf mehrere Mitgliedstaaten gleichzeitig aus. Gleichzeitig wird Energiepolitik in vielen Bereichen noch immer vor allem national organisiert und auf den Bau von grenzüberschreitenden Stromleitungen und Pipelines wird verzichtet.
„Wir müssen Energie endlich europäisch denken. 27 Einzelinteressen – das ist weder zeitgemäß noch können wir uns das dauerhaft leisten“, sagt Jens. Gerade beim Ausbau von Stromnetzen, Speichern und Wasserstoff-Infrastruktur bremst das gemeinsame Fortschritte aus. Unterschiedliche nationale Interessen, langsame Genehmigungen und fehlende Koordinierung erschweren Investitionen und treiben Kosten nach oben.
Für Jens ist deshalb klar: Eine echte Energieunion ist längst eine wirtschafts- und industriepolitische Frage. Versorgungssicherheit, stabile Preise und Wettbewerbsfähigkeit lassen sich dauerhaft nur sichern, wenn Infrastruktur, Energiemärkte und Investitionen stärker europäisch koordiniert werden. Nur so kann Europa verhindern, dass internationale Krisen immer wieder unmittelbar auf Verbraucher:innen und Unternehmen durchschlagen.



